Die Abendauktion ist nicht der Ort, an dem die Provenienz geprüft wird. Sie ist der Ort, an dem sie ratifiziert wird. Bis der Hammer fällt, sind bereits hundert kleine Kompromisse in die Losbeschreibung eingegangen — eine Händlerversicherung an einer Stelle, ein fehlendes Ausfuhrpapier an einer anderen, die Erinnerung einer Witwe an Stelle einer Kaufquittung. Was Provenio leistet, noch ehe der Katalog gedruckt und ehe der Versicherungszeichner unterschrieben hat, ist dies: den Datensatz mit jener Skepsis zu lesen, die der Datensatz selbst stillschweigend verweigert.
Im Fall von Basquiats Untitled (Boxer) — einem Werk, das nach jedem vernünftigen Maßstab zu den meistreproduzierten und rechtlich am wenigsten angefochtenen Arbeiten des Künstlers zählt — trägt die kanonische Provenienz eine vierjährige Lücke zwischen 2003 und 2007. Kein Ausfuhrpapier wurde beanstandet. Kein Versicherungsschaden gemeldet. Die Katalognotiz nennt diesen Zeitraum, wie fast immer, „Privatsammlung”. Die Formulierung ist harmlos — die Konvention dahinter jedoch redaktionell, nicht rechtlich, und jeder Titelprüfer kennt den Unterschied.
Was sich verändert hat, ist nicht die Verfügbarkeit der Unterlagen — die Zollanmeldungen, die Frachtmanifeste, die Versicherungsverzeichnisse lagen sämtlich vor —, sondern der Aufwand, sie zusammenzuführen. Für einen menschlichen Spezialisten erfordert der Abgleich eines einzelnen Loses gegen den Getty Provenance Index, Wikidata, Knoedlers Lagerbücher und die Zollauskünfte dreier Rechtssysteme eine halbe Woche konzentrierter Arbeit. Im Rhythmus einer Abendauktion — zweihundert Lose je Katalog, vier Kataloge im Jahr — lautete die ehrliche Antwort stets: Das leisten wir nicht. Wir arbeiten mit Stichproben.